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Düsseldorfer Arbeitsmarkt 2009: Viele Arbeitsplätze durch Kurzarbeit bislang gesichert
„Die Kurzarbeit hat uns bislang vor einem Verlust von mehreren tausend Arbeitsplätzen in unserer Region bewahrt. Seit Beginn der Wirtschaftskrise haben die Unternehmen sehr weitsichtig auf die teils drastischen Auftragsrückgänge reagiert. Sie haben vielfältige Wege gefunden, um zumindest große Teile ihrer Stammbelegschaft zu halten. So nutzten viele Firmenchefs und Betriebsräte Arbeitszeitkonten und Beschäftigungsbündnisse, um die Produktion ohne größere Entlassungen herunterzufahren. Denn die Unternehmen wissen, dass die eingearbeiteten Fachkräfte für die Zeit nach der Krise dringend benötigt werden und sich der Fachkräftebedarf mit fortschreitenden demografischen Wandel verschärfen wird. Vor diesem Hintergrund zeigten sich der Arbeitsmarkt und auch der Ausbildungsmarkt trotz der Wirtschaftskrise unerwartet robust“, fasste Peter Jäger, Chef der Agentur für Arbeit Düsseldorf, die Entwicklung im letzten Jahr auf der Jahrespressekonferenz zusammen. „Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen am Jahresende im Vergleich zum Vorjahr relativ moderat um rund 1.600 auf 40.530 Menschen. Wie lange der Beschäftigungsdamm ‚Kurzarbeit’ aber noch hält, ist von der weiteren konjunkturellen Entwicklung abhängig. Viele Unternehmen arbeiten ‚auf Sicht’ – für einige werden Entlassungen unumgänglich sein. Im neuen Jahr müssen wir uns deshalb auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit einstellen. In der Spitze könnten das im Sommer des neuen Jahres rund 47.000 Arbeitslose in unserer Region sein“, sieht Jäger die weitere Entwicklung.
Aktuell waren am Jahresende 40.530 Frauen und Männer im gesamten Bezirk arbeitslos gemeldet, 146 mehr als im November und 1.616 oder gut vier Prozent mehr als Ende 2008. Davon wurden von der Agentur für Arbeit 10.656 Arbeitslose betreut, über 2.000 oder 23 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der von den Arbeitsgemeinschaften Düsseldorf und Mettmann (ARGEn) betreuten Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vorjahr dagegen um knapp 400 auf 29.874 gesunken.
Diese Entwicklung zeigt, dass von der Wirtschaftskrise überwiegend Beschäftigte betroffen waren, die einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben und von der Agentur für Arbeit betreut werden. Der auslaufende Bezug von Arbeitslosengeld I wird im neuen Jahr zu einer Zunahme der Arbeitslosen führen, die von den ARGEn betreut werden.
Von der Zunahme der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich waren insbesondere die Regionen im Kreis Mettmann betroffen. In der Stadt Düsseldorf erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um rund 500, in den Regionen des Kreises Mettmann (ohne Nordkreis) dagegen um 1.100. Ursächlich für diese Entwicklung im Kreis Mettmann sind die stärker gewerblich und industriell geprägte Wirtschaftsstruktur und die von der Krise besonders betroffenen Zulieferbetriebe der Automobilindustrie.
Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im gesamten Agenturbezirk im Jahresvergleich von 8,1 Prozent auf 8,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote in der Landeshauptstadt Düsseldorf stieg leicht von 9,1 Prozent auf 9,2 Prozent an. Im Kreisgebiet Mettmann erhöhte sich die Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent auf 7,3 Prozent. Im Geschäftsstellenbezirk Mettmann betrug die Quote 8,2 Prozent (Ende 2008: 7,2%), im Geschäftsstellenbezirk Ratingen blieb die Quote mit 6,2 Prozent konstant. Im Geschäftsstellenbezirk Hilden betrug die Quote 6,7 Prozent (Ende 2008: 5,9%) und im Geschäftsstellenbezirk Langenfeld 6,5 Prozent (Ende 2008: 5,8%).
Die Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften lag im letzten Jahr um knapp ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt wurden der Arbeitsagentur rund 26.100 offene Stellen für eine Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt gemeldet, 7.600 weniger als noch im Jahr davor. Auch dies ist ein sichtbares Zeichen der Krise. Die Unternehmen waren mit ihren Personaldispositionen und mit Blick auf die Geschäftserwartungen zurückhaltend und nutzten für ihre Stellenbesetzungen verstärkt die Zeitarbeit. Wenn Personaleinstellungen erfolgten, dann überwiegend zur Deckung des Fluktuationsbedarfs. In weniger krisenanfälligen Branchen wie zum Beispiel im Gesundheitswesen aber auch bei Erziehung und Unterricht stieg der Bedarf leicht an. Die Schwerpunkte der Stellenangebote lagen im letzten Jahr in den Berufsgruppen Büroberufe, Schlosser und Mechaniker, Dreher und Schweißer, Call Center Agents überwiegend für Outboundtätigkeiten, Gesundheitsdienstberufe, Elektriker, Verkäufer/Einzelhandelskaufleute, Ingenieure und Ernährungsberufe. „Auch wenn die Wirtschaft wieder anspringt, wird es nicht so schnell zu Einstellungen kommen. Erst wird die Kurzarbeit wieder zurückgefahren und die Arbeitszeitkonten werden wieder aufgefüllt. Selbst wenn der Aufschwung im neuen Jahr stärker ausfällt als heute erhofft, bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt kritisch. Wir werden zunächst einen Aufschwung erleben ohne neue Jobs“, so Jäger.
In den letzten Monaten ist die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeitergeld zurückgegangen. Im Dezember waren dies 57 neue Anzeigen für über 1.200 Arbeitnehmer. Aktuell dürften rund 30.000 Beschäftigte in 1.100 Betrieben von Kurzarbeit betroffen sein. Vor einem Jahr waren rund 50 Betriebe mit 2.500 Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen. Die Schwerpunkte lagen in den Branchen Automobilindustrie, Automobilzulieferer, Metall- und Stahlbranche, Rohstoffhandel, Kunststoffherstellung, Chemie, Transportwesen, Textilhandel, Maschinenbau und Elektroindustrie. Mit bislang 46 Millionen Euro hat die Agentur für Arbeit Düsseldorf die Kurzarbeit gefördert. „Dass die Kurzarbeit so intensiv genutzt wird und damit die Arbeits- und Ausbildungsplätze weitestgehend gesichert werden konnten, liegt auch an den verbesserten gesetzlichen Rahmenbedingungen und der umfassenden Informationspolitik der ‚Task Force für Arbeit’ in unserer Region“, so Jäger. Beteiligte der Task Force sind die Landeshauptstadt Düsseldorf, der Kreis Mettmann, die Unternehmerschaft Düsseldorf, der DGB Region Düsseldorf/Bergisch Land, die Handwerkskammer Düsseldorf und die Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf.
RA Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung
„Trotz der Wirtschaftskrise haben unsere Unternehmen eine unglaubliche Disziplin an den Tag gelegt und auf Kündigungen weitestgehend verzichtet. Unter anderem aufgrund der Kurzarbeitergeld-Regelung gab es kaum betriebsbedingte Kündigungen. So konnte eine maßgebliche Erhöhung der Arbeitslosenzahlen verhindert werden“, blickt RA Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung und der Düsseldorfer Arbeitgeberverbände e.V., auf die Entwicklung des letzten Jahres zurück. „Eine Prognose für 2010 für den Arbeitsmarkt und die Konjunktur ist kaum möglich. Vieles hängt davon ab, ob der Exportmotor anspringt und sich das Bankensystem stabilisiert. Die Finanzierung unserer Unternehmen muss sichergestellt sein. Alle Verantwortlichen sind gehalten alles dafür zu tun, dass die Beschäftigung auf hohem Niveau gehalten und Wachstum generiert werden kann. Dies gilt insbesondere für die Tarifvertragsparteien der chemischen Industrie und der Metall- und Elektroindustrie. Hier stehen 2010 entscheidende Tarifverhandlungen an“, so Grütering.
Josef Zipfel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf:
Josef Zipfel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf: „Das Geschäftsklima im Handwerk hat sich im Jahresverlauf 2009 aufgehellt. Letzten Endes hat es sich im Jahresvergleich zu 2008 nur geringfügig verschlechtert. Das Handwerk blieb damit vom wirtschaftlichen Einbruch überwiegend verschont. Deshalb konnten die Handwerksbetriebe im Kreis Mettmann und in Düsseldorf die Beschäftigung stabil halten. Auch für die nächsten Monate planen drei Viertel der Handwerksbetriebe mit einem unveränderten Personalbestand. Ursächlich dafür sind neben dem stabilen inländischen Konsum die dezentrale Umsetzung der Konjunkturprogramme in Nordrhein-Westfalen, zusätzlich unterstützt durch die gute Zusammenarbeit zwischen den Kreishandwerkerschaften Düsseldorf und Mettmann und den Städten und dem Kreis. Allerdings: das ist noch kein Grund zur Entwarnung. Die Auftragseingänge im Kfz-Handwerk und bei den Zulieferern sind deutlich rückläufig.“
Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf
"Die weitere Konjunkturerholung wird nicht ohne Risiken sein", so Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf. „Unter dem Motto ‚Stark für den Aufschwung’ werden wir die Unternehmen über Finanzierungsthemen, Chancen auf den Auslandsmärkten und zu Innovationsthemen auf dem Laufenden halten. Wir stellen fest, dass sich das Interesse an Unternehmensgründungen verstärkt. Wir hoffen, dass wir auch in 2010 an die gute Situation im Ausbildungsmarkt anknüpfen können."
Stand: 05.01.2010, 18:18 Uhr