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WGZ Bank - Demografischer Wandel: Unternehmen scheuen Entlassungen
Ï In jedem sechsten bis siebten mittelständischen Unternehmen (15%) fehlen Fach- und Führungskräfte
Ï 37 Prozent der Unternehmer erwarten Probleme bei der Gewinnung von Fachkräften
Ï Unternehmen intensivieren betriebliche Weiterbildung
Ï Mittelstand mit überdurchschnittlicher Ausbildungsquote
Trotz des starken Einbruchs der Wirtschaftstätigkeit um rund 5 Prozent ist die Arbeitslosigkeit weniger stark angestiegen als dies von vielen Experten befürchtet wurde.
„Neben der stark erhöhten Zahl von Kurzarbeitern veranlasst offenbar auch der demografische Wandel die Unternehmer ihr Personal möglichst an Bord zu halten“, so Uwe Berghaus, Leiter des Bereichs Firmenkunden und Generalbevollmächtigter der WGZ BANK. Darauf deutet auch die jüngste Unternehmensbefragung der WGZ BANK hin, an der sich im Herbst mehr als 1.000 Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen beteiligt haben.
Ungeachtet des Konjunktureinbruchs sind Fachkräfte weiterhin knapp.
Jedes sechste bis siebte (15%) aller mittelständischen Unternehmen ist aktuell vom Fach- und Führungskräftemangel betroffen. Mehr als jeder zweite Unternehmer (58%), in dessen Betrieb qualifiziertes Personal fehlt, führt dies auf das schrumpfende Arbeitskräfteangebot zurück. Dass sich der Personalengpass aufgrund des demografischen Wandels voraussichtlich verschärfen wird, ist den meisten Befragten bewusst: 63 Prozent der Unternehmer rechnen künftig mit einem sinkenden Angebot an qualifizierten Arbeitskräften. Schon heute bleiben Jobs häufig unbesetzt, weil vielen Bewerbern die geeignete Fachqualifikation fehlt (76%). Darüber hinaus verfügt mehr als jeder dritte Bewerber (36%) aus Sicht der Arbeitgeber nicht über eine ausreichende Schulbildung.
37 Prozent der Unternehmen rechnen künftig mit Problemen bei der Personalbeschaffung
Trotz der rückläufigen Zahl junger Menschen, fühlen sich erst 37 Prozent der Mittelständler konkret betroffen. Höher als im Handel (25%) und im Dienstleistungsgewerbe (37%) ist das Problembewusstsein im Bau- und Ausbaugewerbe (44%), im Verarbeitenden Gewerbe (43%) und im Handwerk (41%). Insbesondere in der Baubranche und im Handwerk dürfte das eine Folge der in den Augen potenzieller Arbeitskräfte eher geringen Attraktivität dieser Branchen sein. Die Mehrheit der befragten Unternehmen (52%) erwartet allerdings zunächst noch keine Probleme bei der Personalrekrutierung.
Branchenübergreifend sind die kleinen und mittleren Unternehmen bislang weniger für mögliche Auswirkungen des demografischen Wandels sensibilisiert als die großen. „Dies liegt wohl auch an der flexibleren Arbeitsteilung in den kleinen Betrieben. Zusätzliche Aufgaben werden oftmals unter den vorhandenen Mitarbeitern aufgeteilt“, so Sabine Könner, Marktforscherin der WGZ BANK. Wirtschaftlicher Schaden kann für ein Unternehmen mit Personalmangel jedoch durchaus beträchtlich sein: Immerhin berichten 53 Prozent der betroffenen Unternehmer von einer starken bis sehr starken Auswirkung auf die wirtschaftliche Situation der Firma.
Handlungsbedarf in kleinen Unternehmen oft noch unerkannt Während die Mehrheit der großen mittelständischen Unternehmen die Bevölkerungsentwicklung bereits in ihren Personalplanungen berücksichtigt (Umsatz von 50 Mio. Euro und mehr: 72%; 100 und mehr Mitarbeiter: 66%), haben sich erst wenige der kleinen Unternehmen darauf eingestellt (Umsatz < 500.000 Euro: 21%; 1-19 Mitarbeiter: 30%). Von denjenigen Mittelständlern, die sich bereits vorbereitet haben, investiert die Mehrheit in den Auf- und Ausbau der betrieblichen Weiterbildung (71%) und in Programme zur Stärkung der Mitarbeiterbindung (60%). Da in wenigen Jahren mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als einsteigen werden, wird sich der Wettbewerb um qualifiziertes Personal verschärfen.
Studienleiterin Könner: „Vor allem mittelständische Firmen sind daher gut beraten, in ihre Bekanntheit zu investieren, um künftig bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften gegenüber den Großunternehmen punkten zu können.“ Von entsprechenden Maßnahmen zur Steigerung ihres Bekanntheitsgrads berichten laut Umfrage 45 Prozent der Unternehmen. Um einem zukünftigen Personalmangel vorzubeugen, setzen immer mehr Unternehmen auf die eigene Nachwuchsförderung: 44 Prozent haben neue Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen. In 43 Prozent der Betriebe wurde die Zahl der bereits vorhandenen Ausbildungsplätze aufgestockt. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt wird sich für Arbeitssuchende somit aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren entspannen.
Mittelstand erbringt überdurchschnittliche Ausbildungsleistungen
Aktuell bilden annähernd drei Viertel (73%) der mittelständischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen junge Menschen aus – je größer das Unternehmen, desto eher handelt es sich dabei um einen Ausbildungsbetrieb. Bei der Ausbildungsquote – dem Verhältnis von Azubis zur Gesamtbeschäftigtenzahl– schneiden die kleinen und mittleren Unternehmen allerdings deutlich besser ab als die großen. Die durchschnittliche Ausbildungsquote beträgt unter den von der WGZ BANK befragten mittelständischen Unternehmen 13,8 Prozent. Sie ist damit doppelt so hoch wie die durchschnittliche Ausbildungsquote in Gesamt-Deutschland: Diese stagniert laut aktuellem Bildungsbericht bei 6,5 Prozent (Zahlen aus 2007).
Stand: 09.11.2009, 14:18 Uhr