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Wieder einer

Wieder einer, der die Welt `vom Kopf auf die Füße´ stellen will

Was bei solch einem Versuch durch Karl Marx mit seinem kommunistischen Sozialismus geschichtlich herausgekommen ist, kann man beim Betrachten der letzten Jahrzehnte sehen, z. T. leider heutzutage noch in Staaten wie Nordkorea.

Marx wollte nicht nur die Weltsicht in der Hegelschen Philosophie vom Kopf auf die Füße stellen, sondern auch die `realen gesellschaftlichen Verhältnisse´.

Und nun Cem Özdemir, der Vorsitzende der Grünen. Der meint im RP-Interview vom 3.8.2009: „Wir müssen das gesamte System vom Kopf auf die Füße stellen.“

Auf der Ebene seines Denkens – als gelernter Erzieher – ist er, ausgehend von der jüngsten Erhöhung der Bezüge seiner Berufsgenossen der Meinung: „Bislang werden Gymnasiallehrerinnen und –lehrer am besten bezahlt, Hauptschullehrer dagegen schlechter, als ob ihre Arbeit leichter wäre. Und die Grundschullehrerinnen und -lehrer, die in internationalen Schulstudien am besten abschneiden, werden noch mal ein Stück schlechter bezahlt. Erzieherinnen und Erzieher sind am Ende der Skala. Das entspricht nicht der sozialen Notwendigkeit und auch nicht dem Forschungsstand. Auch in Deutschland ist inzwischen angekommen, dass die Phase vor dem Eintritt in die erste Klasse mindestens so wichtig ist wie die Phase danach. Der Erzieher ist im Weltbild der Grünen nicht weniger wert als der Gymnasiallehrer.“

Zu kurz gedacht, lieber Cem Özdemir: Warum nicht auch die Hochschullehrer einbeziehen in die Umstrukturierungs-Argumentation der Grünen. Eine Vorlesung vor Studenten zu halten kann doch wohl kaum schwerere Arbeit sein als Kindergartenkindern Pippi Langstrumpf vorzulesen...
Auch hier könnte man rasch eine Begründung zusammenzimmern, die – wie oben - kühn mit Stichworten jongliert und Sachverhalte bis zur Unkenntlichkeit verkürzt.

Man könnte sich aber auch an Moskau erinnern in der Zeit vor dem Ende des Kommunismus; ich jedenfalls kann das. Bei einem Besuch der Partnerschule dort konnte man staunend erfahren: Der Fahrer des kleinen 8-Personen-Busses verdiente mehr Geld als die uns begleitenden Lehrer. Und das war kein Zufall. Die Argumentation zur Rechtfertigung lief – wie bei Özdemir – über die Einschätzung der jeweiligen Berufspraxis von `schwer´ und `leicht´ sowie über die Idee, dass die Masse der Arbeiter und Bauern ja schließlich die seien, die das Fundament der Gesellschaft bildeten. Und so verdiente der Traktorist eben mehr als der Mediziner.
Ich kann mich auch sehr genau erinnern an das Niveau, das einerseits bei Prüfungen von Lehramtskandidaten an der Universität und an das Niveau, das andererseits bei Prüfungen von Lehramtskandidaten an der ehemaligen Pädagogischen Hochschule von den Prüfligen im Ersten Staatsexamen erwartet wurde. Ein Unterschied wie er kaum größer sein konnte.
Und auch wenn sich die universitären Strukturen geändert haben, bleibt, dass – gemessen an dem, was die Richtlinien bei den jeweiligen Lehrern voraussetzen – nach wie vor zwischen den Schulformen erhebliche Unterschiede bestehen.

So eine Umverteilungs-Diskussion hat der gegenwärtigen Bildungspolitik gerade noch gefehlt. Statt sich mit der Effektivität der Vorschulstruktur, der Schulstruktur sowie der Hochschulstruktur zu beschäftigen, statt sich mit der realen Verbesserung von vorschulischer Bildung und Erziehung, der Verbesserung des schulischen Unterrichts und der Optimierung der universitären Bildung zu beschäftigen, wird eine Bezahlungs- und Neiddebatte angezettelt.

Wenn es denn wirklich derzeit nötig ist, über die Summe fachlicher und erzieherischer Belastung in allen Bildungsbereichen nachzudenken, – und das könnte man rechtfertigen über die veränderten intellektuellen und vor allem sozialen Voraussetzungen, die die Schüler heutzutage schon beim Eintritt in den Kindergarten mitbringen – dann müsste eine sachgerechte Neubewertung als Summe ausgewogen werden zwischen den Bereichen fachlicher Bildung, didaktisch-methodische Anforderungen, erzieherischer Leistungen und besonderer sozialer Belastungen.

Eine saubere Dokumentation solch einer Arbeit würde m.E. nicht nur zu einer der gesellschaftlichen Gegenwart angepassten Relation der Tätigkeiten führen können, sondern auch zu einer deutlichen Steigerung der gesellschaftlichen Wertschätzung pädagogischer Arbeit – von der Vorschule bis zur Hochschule.

Aber bitte – lieber Cem Özdemir – nicht als fachunkundige Jonglage sowie ohne Ideologie und ohne Wahlkampf.
Und übrigens war auch der Kopf-Füße-Marx nicht der Ansicht, man solle es sich - historisch gesehen - erlauben, Fehler zu wiederholen.


Wolfgang Klipp im August 2009 für SchuleundWirtschaft.de



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