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Pfad: Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V. -> Schule/ Wirtschaft -> Kommentar

Ein Schul-Hasser?

Vielleicht besteht der Fehler zunächst darin, in so einem Blättchen wie der Zeitungs-Zwangs-Beilage PRISMA einen Artikel über Schule zu lesen; selbst wenn – oder gerade weil - der Chefredakteur selbst zur Feder gegriffen hat.

Unter denen, die sich in der Materie auch nur ein wenig auskennen, werden die Geduldigen den Kopf schütteln, die anderen kaum umhin können, sich zu ärgern.
Insbesondere, wenn man sich vorstellt, die - im Untertitel des Artikels: „Es klappt auch ohne Schule“ angesprochenen - Schüler könnten auch nur partiell auf die Thesen hereinfallen und diese zum Grund nehmen, ihre Zukunft zu verschenken.

Selbst wenn man konzediert, dass der Verfasser den Typus der genialen (!) Querköpfe in dem von ihm empfohlenen Buch: „Geniale Querköpfe“ in ihren Schwierigkeiten mit schulischem Lernen verehren möchte - von Jules Verne bis Gerard Depardieu (!?) – so müsste ihm doch deutlich werden, wie logisch falsch und gefährlich für `normale´ oder gar schwache Schüler sein Fazit ist: „Die Schule, möchte man meinen, dient in erster Linie sich selbst. Über Leben und Lebensleistung verrät sie so gut wie nichts.“

Offenkundig bar jeder Sachkenntnis über hoch begabte Kinder und Jugendliche – insbesondere ohne jeden Bezug zu dem/n Schwerpunkt(en) ihrer Hochbegabung, unwissend in Richtung auf die Neigung der Genies, auch im Bereich von Ordnung und Disziplin, Grenzen weiter auszuloten als andere, überträgt er auf Jedermann und lässt seinem Hass auf Schule – anders kann ich das kaum bezeichnen – freien Lauf: „Die Zeichen stehen wieder auf Norm, genauer: auf Genormtsein, Kopfnoten für brave Schüler, Pisa-Momentaufnahmen von der Aussagekraft eines olympischen Medaillenspiegels und die neue Uniformiertheit der Krawattenträger.“
Er versteigt sich gar zu der Gesellschaftsprognose, „die blauäugige Nostalgie konservativer Kräfte“ werde „bald zu Bildungsrückständen früherer Zeiten und einem zweiten 1968 führen“; Schüler, „die ihre Tage in der Bildungsbude (Schule) voll abaxen“, seien am Ende „einfach nur noch depriletto drauf“.

Was könnte Schule so jemandem angetan haben, der sie so verteufelt?
Was haben Mitschüler vielleicht mit jemandem gemacht, dass er seine Schulzeit so negativ sieht?
Fragen, denen nachzugehen vielleicht psychologisch interessant wäre.

Vorrangig bleibt aber festzuhalten, dass aus einem flüchtigen Blick auf ein paar Genies bzw. in ihrem Feld besonders begabte Menschen sowie von einem festen Faustgriff auf ein paar Jahrhunderte schulischen Lernens nicht der Satz – der dem Artikel voransteht - folgen darf: „Es klappt auch ohne Schule“.

Nicht zuletzt eine Wissensgesellschaft, die ihre Kinder dergestalt alleine ließe, wäre im tiefsten Kern inhuman; im Gegenteil: Schule muss - für besonders Begabte, für `Normale´ wie auch für Schwächere - ein optimales Fundament schaffen für die Bewältigung ihres zukünftigen privaten wie beruflichen Lebens.
Und das kann sie, die Schule. Auch wenn sie sich dazu beständig verbessern muss.


Wolfgang Klipp im Februar 2007 für SchuleundWirtschaft.de



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